Hausbau planen: Selber planen mit Checkliste & Tipps

Hausbau planen – ein grober Zeitplan

1. Schritt: Finanzierung klären

 Die Planung des Hausbaus fängt in der Regel bei der Finanzierung an. Nur wenn diese halbwegs geklärt ist, können Sie beim Grundstück schnell handeln und sich somit einen Vorteil verschaffen. Planen Sie bei der Finanzierung einen großzügigen Puffer ein und setzen Sie sich nicht mit einer zu hohen monatlichen Kreditrate unter Druck.

2. Schritt: Grundstück finden & kaufen

Nach der Finanzierung und noch vor der eigentlichen Planung des Hausbaus geht es an die Findung, Auswahl und Kauf des Grundstücks. Dazu gehört der Termin beim Notar sowie die Grundbucheintragung.
Prüfen Sie bei der Grundstückswahl ganz genau und zu verschiedenen Tagen und Zeiten Licht sowie Geräuschkulisse. Entsprechen die Gegebenheiten Ihren Vorstellungen? Können Sie mit dem Lärm von der Schule um die Ecke leben?Macht es Ihnen etwas aus, wenn das Grundstück eher schattig ausfällt? Lässt der Bebauungsplan der Gemeinde zu, dass Sie Ihr Traumhaus nach Ihren Vorstellungen bauen können?
Haben Sie diesen Punkt abgeschlossen, können Sie in puncto Hausgröße, Art, etc. genau planen.

3. Schritt: Bebauungsplan prüfen

Bevor Sie sich in ein bestimmtes Haus verlieben, sollten Sie zunächst die lokalen Gegebenheiten bzw. den Bebauungsplan prüfen. Lässt die Gemeinde überhaupt zu, dass die Immobilie in dieser Art und Weise gebaut wird? Vielerorts sind beispielsweise Flachdächer untersagt. Können Sie sich auch mit einer Alternative zum gewünschten Detail anfreunden? Falls nein, sollten Sie früh einen Antrag auf Befreiung selbiger Regelungen stellen. Dann ist jedoch immer noch fraglich, ob die Gemeinde diesem auch tatsächlich stattgibt.

4. Schritt: Auf Haustyp & Bauweise einigen

Ist das erledigt, geht es daran, sich auf ein Haustyp sowie eine Bauweise zu einigen. 
Informieren Sie sich darüber, welche Arten es gibt und welche Vor- und Nachteile diese mit sich bringen. Die Bandbreite ist vielfältig: Fertighäuser, Massivhäuser, Passivhäuser, Holzhäuser, Bungalows, Doppelhaushälften, Häuser ohne oder mit Keller, …
Beachten Sie: Bestenfalls fragen Sie bereits jetzt den Architekten, Baufirma wie Handwerker an.

5. Schritt: Himmelsrichtung berücksichtigen

Im Wohnzimmer wie Garten möchten Sie die Mittagssonne und Abendsonne genießen, die Schlafzimmer hingegen sollen schön kühl sein. Kein Problem – wenn das Grundstück es zulässt und Sie entsprechend die Himmelsrichtung bei der Planung Ihres Hauses berücksichtigen. Prüfen Sie die Sonneneinstrahlung zu verschiedenen Tageszeiten.

6. Schritt: Grundriss: Hausgröße bestimmen & Raumaufteilung klären

Spannend für jeden, der den Hausbau plant – der Grundriss. Nun geht es daran zu bestimmen, wieviel Quadratmeter Ihr Haus betragen, wie groß die Räume sein sollen und welche Räume überhaupt für Sie wichtig sind. Brauchen Sie kein Arbeitszimmer? Dafür aber sehr wohl ein Gästezimmer für regelmäßigen Besuch? 
Es bietet sich an, von innen nach außen vorzugehen. Ebenso können Sie sich aber auch von außen einen Rahmen stecken und dann versuchen Ihre Wunschvorstellung in diesem zu verwirklichen.
Hier gibt es viele – teils kostenlose – Programme oder Software, mit der Sie planen können.
Vor einem ersten professionellen Versuch können Sie auch spielerisch an die Sache rangehen und Ihr Haus bei Sims vorplanen. Unter Umständen kann man hier schon Missverständnissen vorbeugen oder sogar sog. Must Haves ad acta legen.

7. Schritt: Fenster & Türen

Bei Fenster und Türen sollten Sie vor allem berücksichtigen, wie gut diese gedämmt sind. Die Optik ist natürlich auch wichtig und lässt sich durchaus mit ersterem vereinen. In puncto Dämmung sind Kunststofffenster ganz vorne mit dabei. Planen Sie insbesondere bei Fenstern im ersten Stock sowie Haus- und Terrassentüren hochwertige Einbruchmechanismen mit ein.
Auch Verdunkelungsoptionen sollten Sie einplanen bzw. sich für eine Variante entscheiden.
Planen Sie lieber mehr als zu wenige Fenster und Türen ein.  Ausreichend natürliches Tageslicht zu haben ist ein nicht zu unterschätzender Wohlfühlfaktor.
Denken Sie im Bad oder nah angrenzenden Grundstücken daran, die Fenster so zu planen, dass Ihnen Privatsphäre bleibt. Das kann beispielsweise über hoch sitzende Fenster oder Milchglas ermöglicht werden. 
Wenn Sie Fenster und Türen vorbestellen, sollten Sie auch über eine Lüftungsanlage nachdenken. So sorgen Sie nicht nur für ein angenehmes Klima und beugen Schimmel vor, Sie sparen sich außerdem andauerndes Fensterlüften und Energiekosten.

8. Schritt: Fassade, Dach & Dämmung

Fassade und Dach müssen Sie nicht nur hinsichtlich Ihrer Optik überdenken. Hier sollten Sie sich außerdem darüber informieren, welche Dämmung die Beste ist und sich für Ihr Vorhaben bzw. Ihre Vorstellungen eignet.

9. Schritt: Heizung & Wasseranschlüsse und Elektroinstallation

Planen Sie ein, an welchen Stellen Sie im Haus Wasseranschlüsse benötigen. Machen Sie sich außerdem eine Notiz, sich um den Anschluss ans Versorgungsnetz – Wasser, Strom, etc. – zu kümmern.
Hinsichtlich der Heizung sollte Sie überlegen, auf welche Art Heizung Sie setzen möchten. Beachten Sie jedoch, dass nicht jede Heizung sich überall umsetzen lässt. Auch den Kostenfaktor für Installation sowie Betriebskosten sollten Sie einberechnen.
Geht es an die Planung der Elektroinstallation, muss nicht nur überlegt werden, wo Schalter und Steckdosen verlegt oder gesetzt werden müssen. Planen Sie außerdem ausreichend Leerrohre für spätere Eventualitäten sowie Netzwerkkabel und evtl. Telefonleitungen ein.
Vielleicht wünschen Sie sich ja auch ein Smart Home, über das Sie jegliche Einrichtungen wie beispielsweise den Raffstore steuern können. Auch hierfür müssen entsprechend mehr Leitungen gelegt werden.
Ggf. möchten Sie hier energieeffiziente Einrichtungen wie eine Wärmepumpe oder eine Photovoltaikanlage einplanen.

10. Schritt: Wände, Böden, Bad & Küche

Planen Sie außerdem, was Sie hinsichtlich Wände und Böden vorhaben. Soll verputzt werden? Oder gefliest? Streichen Sie selbst? Oder möchten Sie alles von Fachkräften vornehmen lassen? Diese sollten Sie frühzeitig anfragen.
Berechnen Sie außerdem, wieviel Material Sie benötigen und bestellen Sie mit ausreichend Puffer. Planen Sie außerdem im Gespräch mit den Experten Bad und Küche und bestellen Sie diese vor.

11. Schritt: Experten hinzuschalten

Haben Sie alle Ihre Ideen und Wünsche festgehalten, geht es daran vom Architekten Ihren Entwurf professionell festhalten sowie vom Statiker abnehmen zu lassen.
Danach können Baufirma wie Handwerker ausgewählt wie beauftragt werden.
Eventuell möchten Sie einen Bausachverständigen hinzuschalten, der Ihnen die Sorge abnimmt, ob Baufirma und Handwerker “saubere” Arbeit abliefern.

12. Schritt: Kontrolle und Abnahme

Nicht nur am Wochenende, sondern auch unter der Woche sollten Sie Ihre Baustelle regelmäßig besuchen und sich die Leistungen anschauen bzw. prüfen. Noch besser: Sie lassen die Arbeiten von einem Bausachverständigen prüfen. Halten Sie mit diesem regelmäßig Absprache.
Nach Abschluss der von Ihnen gebuchten Arbeiten müssen Sie die erbrachte Leistung – am besten mit dem Sachverständigen – abnehmen.
Ggf. möchten Sie dann noch die letzten Arbeiten – sei es Boden verlegen oder Wände streichen – in Eigenleistung erbringen. Ist alles abgeschlossen, kann der Umzug erfolgen.

Ihre Checkliste für die Hausplanung – daran sollten Sie denken


































7 Tipps, damit es mit der Hausbauplanung klappt

1. Recherchieren und kommunizieren

Wer viel und genau im Vorfeld recherchiert, spart sich am Ende böse Überraschungen. Sprechen Sie außerdem mit Bekannten und Freunden, die bereits einen Hausbau hinter sich haben – diese Informationen und Erfahrungsschätze sind Gold wert.

2. Planen Sie einen großzügigen Puffer ein

Sowohl für die Kosten also auch in der Zeitplanung sollten Sie jeweils Spielraum einplanen. Unvorhergesehenes passiert in jedem Fall. Gut, wenn Sie dann Zeit und finanziell Luft haben, um alle Eventualitäten stressfrei abzufangen.

3. Kommunizieren Sie alles schriftlich

Wer schreibt, der bleibt. Ein simples Sprichwort, das sich in vielen Fällen als hilfreich erwiesen hat. Sichern Sie sich, auch wenn Sie es mit Ihrem vertrauenswürdigen Ansprechpartner telefonisch oder mündlich vereinbart haben, schriftlich ab. Zum einen haben Sie die Vereinbarung schriftlich, zum anderen beugen Sie evtl. Missverständnissen vor.

4. Holen Sie sich im Zweifelsfall Experten hinzu

Ja, Experten zu beauftragen ist in der Regel teuer. Noch teurer wird es aber, wenn Sie bei Ihrer Planung etwas übersehen und so nachjustiert werden muss oder schlimmstenfalls Folgeschäden entstehen.

5. Bausachverständigen einbinden

Bausachverständige oder auch Baubegleiter stehen Ihnen bei Fragen rund um den Hauskauf und -bau zur Seite. Sie prüfen ob beim Bau alles rechtens ist und können professionelle Schadensgutachten erstellen sowie Schadenersatz für Sie bei der Versicherung o.Ä. durchsetzen. Sie stellen Schäden am Bau frühzeitig fest, sodass es nicht zu größeren oder Langzeitschäden kommen kann.

6. Eigenleistung nicht fest einplanen

Planen Sie Ihre Eigenleistung – auch wenn Sie handwerklich sehr begabt sind – nicht als festen Faktor ein. Sie üben wahrscheinlich bereit einen Beruf aus, der Sie Kraft und Zeit kostet, die Freizeit möchten Sie dann bestimmt auch gerne mit Ihrer Familie anstatt auf der Baustelle verbringen. Andernfalls setzen Sie sich unter Druck und müssen im Krankheitsfall für Kosten aufkommen, die Sie so nicht eingeplant haben.
Finden Sie doch noch Zeit und Lust, Leistungen selbst zu übernehmen und dadurch Geld zu sparen, können Sie sich über den Puffer freuen. 

7. Akribisch archivieren

Heben Sie jedes noch so irrelevant wirkende Dokument auf und sammeln Sie diese thematisch geordnet in einem Ordner. Hier sollten Sie auch die Informationen zu Ihrer Finanzierung sowie Baupläne, Urkunden etc. aufbewahren.
Müssen Sie später die Steuer machen, wird sich diese zunächst nervige Archivierung für Sie auszahlen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Kosten kommen auf mich zu?

Beim Hausbau kommen viele verschiedene Kosten auf Sie zu. Stellen Sie sich mindestens auf folgende Kosten ein: Grundstückskosten, Erschließungskosten, Steuern – u.a. für Grundstück und Gebäude, Notarkosten, Maklerprovision, Kosten für Architekt und Statiker, Materialkosten, Baufirma, Versicherungen, Kosten für Sachverständige und Handwerker sowie den Umzug.

Wo finde ich Ideen für mein Haus?

Ideen für Ihr Haus finden Sie fast überall. Schauen Sie sich die Häuser in Ihrer Nachbarschaft, die Ihrer Freunde & Bekannten sowie Immobilien und Musterhausparks an. Auch ein Blick in Pinterest lohnt sich, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was Ihnen gefällt und was nicht.
Sammeln Sie Ihre Ideen am PC oder legen Sie sog. Moodboards an. So bekommen die Ideen in Ihrem Kopf Gestalt. Lassen Sie diesen ersten Sammlungen ruhig Zeit sich zu setzen und legen Sie noch nicht gleich los. Manches werden Sie nach kurzer Überlegungszeit auch wieder verwerfen wollen.

Soll ich erst den Hausbau planen oder das Grundstück kaufen?

Grundstücke wie Immobilien sind begehrt. Aus diesem Grund bestimmt oftmals das Angebot mit, ob Sie zuerst das Haus planen oder das Grundstück kaufen sollten.
Natürlich sollte das Grundstück Ihren Wünschen und Vorstellungen entsprechen, es ergibt sich jedoch oft, dass man sich mit einem Kompromiss (beispielsweise kleineres Grundstück oder spezielle Grundstücksform) anfreunden muss.
Schauen Sie sich also am besten erst nach Grundstücken in der gewünschten Umgebung um. Haben Sie eines gefunden und gekauft, das Ihnen gefällt, können Sie mit der Planung loslegen.

Ist ein Fertighaus eine Alternative oder sollte ich lieber den Hausbau selber planen?

Planen Sie das Haus selbst, können Sie natürlich hinsichtlich jeglicher Details – Größe, Raumaufteilung, Form, etc. – selbst bestimmen. Beim Fertighaus haben Sie zwar auch gewisse Entscheidungsfreiheiten, sind aber auf ein bestimmtes Spektrum festgelegt.
Das Fertighaus hat aber auch einen entscheidenden Vorteil – Sie müssen fast nichts selbst planen, sondern “lediglich” die Maßnahmen und Leistungen überprüfen. Je nachdem welcher Aspekt Ihnen wichtiger ist – große Entscheidungsfreiheiten oder vorgeplanter Bau – sollte Ihre Entscheidung ausfallen.

Über den Autor

Matthias ist Verkaufsleiter bei Finstral. Er hat einen guten Draht zu seinen Kunden und spricht deren Sprache. Von Fenster/Haustüren und Wintergarteneigenschaften und -fachbegriffen kann er ein Lied singen.
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